IMI-Standpunkt 2025/049
Bewegung ist nötig – und möglich!
Antimilitaristische Termine und Mobilisierungen im Spätsommer 2025
von: Bernhard Klaus | Veröffentlicht am: 14. August 2025
Angesichts der epochalen Aufrüstung Deutschlands und Europas nehmen auch die Aktivitäten der traditionellen Friedensbewegung und neuer Spektren weiter zu – vor allem auf lokaler Ebene und unterhalb der öffentlichen Wahrnehmungsschwelle. So fand in beispielsweise auch in Tübingen am 6. August die traditionelle Kundgebung zum Hiroshima-Tag gegen Atomwaffen statt, drei Tage später rief u.a. das Unikomitee für Palästina zu einer Kundgebung gegen den Krieg in Gaza auf. Am folgenden Wochenende findet im hiesigen linken Zentrum ein „Kein-Bock-auf-Krieg-Tag“ statt, dazwischen lud das Bündnis „Nein zur Wehrpflicht“ zum offenen Treffen ein. Es ist fast eine Herausforderung, mitzukommen und die Übersicht zu behalten – obwohl dies aktuell wichtiger denn je ist.
1. September: Antikriegstag
Der nächste bundesweite Traditionstermin ist der Antikriegstag am 1. September, zu oder um den in den meisten größeren Städten Kundgebungen stattfinden werden. In den letzten Jahren meinen wir insgesamt eine Anwachsen auch dieser Kundgebungen verzeichnen zu können – obwohl mit dem DGB ein früherer zentraler Akteur nun schon im zweiten Jahr nicht mehr zu ihnen aufruft. Wie schon im letzten Jahr hat die DGB-Spitze dieses Jahr statt eines Aufrufs nur eine „Erklärung“ zum Antikriegstag veröffentlicht, in der sie sich im Einklang mit Bundesregierung und Co zur „regelbasierten internationalen Ordnung“ bekennt und eine „Notwendigkeit“ postuliert, „in Deutschland und Europa die gemeinsame Verteidigungsfähigkeit zu stärken“. Bezeichnend: Während die „Großmachtkonkurrenz zwischen den USA, China und Russland“ und deren „Ringen um geopolitischen und geoökonomischen Einfluss“ als Ursache für „eine Politik der Konfrontation und Blockbildung“ benannt werden, fordert die Erklärung zugleich, „durch Deutschlands Beitrag Europas eigenständige Rolle als internationale Friedensmacht zu stärken“.
Während sich Deutschland wieder einmal für einen Krieg gegen Russland rüstet, verabschieden sich die Gewerkschaftsspitzen damit im Grunde genommen demonstrativ von der Friedensbewegung – und den Lehren aus dem Zweiten Weltkrieg, dessen offiziellem Ende an diesem Tag eigentlich gedacht wird. Zum Glück gibt es dagegen allerdings auch heftigen Widerstand an der Basis und in den Gliederungen. In vielen Städten und Regionen sind Gewerkschaften oder ihre Vertreter trotzdem an den Vorbereitungen der Kundgebungen beteiligt. Gerade auch um diese zu unterstützen, empfehlen wir allen, die entsprechenden Kundgebungen zu besuchen, auch um deren gefühltes Wachstum der letzten Jahre sichtbarer zu machen.
Ende August: Antmilitaristisches Camp und „Parade“
Vielleicht treffen sich zum Antikriegstag auch einige wieder, die sich erst kurz zuvor auf dem Camp von Rheinmetall Entwaffnen in Köln vom 26. bis 31. August kennengelernt haben. Das Camp ist „mit politischen und kulturellen Veranstaltungen zum Austausch und zur Vernetzung konzipiert“ – gerade auch mit internationalen Gästen. Es gibt Aufrufe aus verschiedenen – anarchistischen, kommunistischen, Palästina-solidarischen etc. – Spektren, sich zu beteiligen. Auch die Camps von Rheinmetall Entwaffnen sind in den letzten Jahren gewachsen und mit ihnen eine neuere antimilitaristische Bewegung, die u.a. an die War-Starts-Here-Camps früherer Jahre anknüpft. Ein Höhepunkt wird die „Parade gegen den Krieg“ am Samstag, den 30. August unter dem Motto „Zusammen gegen die Militarisierung der Gesellschaft“ darstellen, zu der auch viele Menschen aus der traditionellen Friedensbewegung gehen werden und sollten. In vielen Städten wird eine gemeinsame Anreise zu Camp und Großdemo organisiert – hier muss man sich vielleicht auch mal außerhalb der bekannten Kanäle etwas umhören.
Aktuell wurden Camp und Parade von der Polizei verboten, die Organisator:innen gehen aber fest davon aus, dass dieses Verbot keinen Bestand haben wird und eher der Einschüchterung dient. Sie werten den Verbotsversuch „als als Ausdruck der Militarisierung, des Rechtsrucks und einer damit verbundenen Unterdrückung kritischer Stimmen“ und warnen vor einem „Präzedenzfall“, der „das Tor für andere Verbote öffnen“ könnte, sollte es doch Bestand haben. Das könnte durchaus auch andere soziale Bewegungen eher noch motivieren, das Camp zu unterstützen und zur Demo zu mobilisieren. In den Kämpfen um die Versammlungsfreiheit hat ja auch die traditionelle Friedensbewegung einiges an Erfahrungen mitzubringen.
3. Oktober: Breite Mobilisierung nach Stuttgart und Berlin
Während die Tage in Köln es vermutlich auch schon in die bundesweite Presse schaffen werden, ist das für den 3. Oktober geradezu garantiert. Schon in den vergangenen Jahren wurde zu diesem Termin zu Großdemonstrationen nach Berlin mobilisiert, die breite öffentliche Resonanz erfuhren, wobei bei der Berichterstattung insbesondere die Beteiligung rechter und anderer Spektren im Mittelpunkt standen. Auch wenn es sich hierbei erkennbar um Versuche handelte, von den Inhalten – im Kern der Stopp von Waffenlieferungen an die Ukraine und der Ruf nach Verhandlungen – abzulenken und diese zu delegitimieren, waren die entsprechenden Vorwürfe nicht aus der Luft gegriffen. Im Wunsch, möglichst viele Menschen zu mobilisieren und Sichtbarkeit für den Dissens gegen den Aufrüstungskurs herzustellen, haben die Organisator:innen keine ausreichende Abgrenzung gegen rechte Narrative und Akteure vorgenommen. Dieses Jahr hat sich der Organisationskreis der nun zwei Großdemonstrationen beträchtlich erweitert und eindeutige Formulierungen in den Aufruf übernommen, die eigentlich jeden Ansatz von Querfrontbildung unterbinden sollten. Wir sind sehr zuversichtlich, dass das für die Stuttgarter Demonstration am 3. Oktober gelingt und diese ein ähnliches, vermutlich etwas größeres Ausmaß und Spektrum erreichen wird, wie die Stuttgarter Ostermärsche. Bei der Berliner Demo können wir nicht garantieren, ob hier nicht doch wieder problematische Positionen und Personen auftauchen werden – was ja aber eigentlich umso mehr Grund sein sollte, hinzugehen und nicht nur gegen Krieg und Aufrüstung, sondern auch den Nationalismus klare Kante zu zeigen.
